Nur Fett macht dick

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Lange Zeit war Fett der Ober-Bösewicht unter den Dickmachern. Auch heute noch ist nicht nur die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei dieser Ansicht geblieben, sondern auch die meisten anderen offiziellen Stellen.

Für Fett als Ober-Dickmacher gibt es im Prinzip zwei Argumente:

·         Fett hat mit 9 Kcal pro Gramm die meisten Kalorien, mehr als doppelt so viel wie Kohlenhydrate und Eiweiß.

·         Da die Umwandlung von Kohlenhydraten zu Fett nicht ganz einfach ist und etwas Energie verbraucht, liegt der Verdacht nahe: nur Fett macht fett.

 

Beide Argumente sind aber bestenfalls Indizien und beweisen in keinster Weise, dass Fett allein verantwortlich für Übergewicht ist.

In den USA wurde in den letzten Jahrzehnten so etwas wie ein Langzeit-Massenexperiment mit der Bevölkerung durchgeführt. Auch dort herrschte lange Zeit der Glaube vor, dass das Fett die alleinige Schuld am Übergewicht trägt.

Daher wurden die meisten Nahrungsmittel nur noch fettreduziert angeboten. Solche fettarmen Produkte gibt es zwar auch in Deutschland, aber immer nur neben den normalfetten Produkten. Anders in den USA. Vieles gibt es dort nur noch extrem fettarm. Statt Fett werden häufig verschiedene Zutaten eingebaut, damit die Nahrungsmittel weiterhin cremig und wohlschmeckend sind. Dafür werden unter anderem Emulgatoren verwendet.

Wenn Nahrungsfett tatsächlich die Hauptschuld am Übergewicht tragen würde, müssten die Amerikaner inzwischen alle rank und schlank sein. Doch das sind sie mitnichten. Stattdessen sind die in den Jahrzehnten der fettarmen Ernährung immer dicker geworden.

Möglicherweise liegt das daran, dass sie die fehlenden Fette durch Kohlenhydrate ersetzt haben. Vielleicht haben sie auch insgesamt mehr gegessen, um die Fettmenge zu erhalten, nach der ihr Körper verlangt. Die genauen Details wird man wohl nicht herausfinden können.

Aber eines hat die Entwicklung in den USA deutlich gezeigt: vom Fett alleine kommt das Übergewicht nicht.

Auch in Deutschland wird seit den 1960er Jahren zu fettarmer Ernährung geraten. Viele Menschen haben sich auch daran gehalten. Aber auch hierzulande gibt es eher mehr Übergewichtige als früher.

Das heißt jedoch nicht, dass Fett nicht dick macht.

Wenn man zu viel Fett isst, dann macht das zweifelsohne dick. Vor allem Menschen mit einer Vorliebe für fettes Schweinefleisch oder andere fette Speisen können durch zu viel Fett sehr dick werden.

Aber Fett muss sich den Platz als Ober-Bösewicht wohl mit den Kohlenhydraten teilen.

Sind Pflanzenöle die besseren Fette?

Nicht nur die reine Fettmenge, sondern auch die Art des Fettes soll eine wichtige Rolle für die Gesundheit und das Gewicht spielen.

Als gute Fette galten lange Zeit Fette mit vielen ungesättigten Fettsäuren, das sind beispielsweise die meisten Pflanzenöle. Schlechte Fette sollen Fette mit gesättigten Fettsäuren sein, das betrifft beispielsweise Fett im Fleisch und Butter.

Daher wurde und wird immer noch empfohlen, Fett vorwiegend in Form von Pflanzenölen zu sich zu nehmen.

Inzwischen weiß man jedoch, dass es bei Fetten auch sehr stark auf das Verhältnis zwischen Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren ankommt.

Die Omega-3-Fettsäuren gelten zur Zeit schon als neue Heilsbringer der Gesundheit. Sie sollen entzündliche Prozesse verhindern, gegen Übergewicht helfen, Neurodermitis lindern, die Sehschärfe verbessern und Herz-Kreislauf-Krankheiten verhindern.

Diese hilfreichen Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in grünen Blättern vorhanden, außerdem in Algen und in Fischen, die sich von Algen ernähren. Sehr viel Omega-3-Fettsäuren sind auch in Leinöl enthalten, weshalb Leinöl oft als Quelle für Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren verwendet wird. Bei Tieren, die sich von Gras ernähren, ist auch die Milch und das Fleisch reich an Omega-3-Fettsäuren, nicht jedoch bei Tieren, die durch Getreide und Soja ernährt werden.

Die Omega-6-Fettsäuren wirken etwa gegenteilig wie Omega-3-Fettsäuren. Wenn sie in einem günstigen Verhältnis zu Omega-3-Fettsäuren stehen, richten sie keinen Schaden an. Doch wenn sie erheblich mehr gegessen werden und dadurch überwiegen, dann kann es zu zahlreichen Gesundheitsstörungen kommen.

Unglücklicherweise enthalten ölhaltige Samen kaum Omega-3-Fettsäuren, dafür umso mehr Omega-6-Fettsäuren. Die daraus gepressten Pflanzenöle sorgen also für ein ungünstiges Verhältnis zwischen den beiden Fettsäuren-Arten. Auf einmal sollen die gesunden Pflanzenöle nicht mehr so gesund sein, stattdessen eher die verpönten tierischen Fette.

Fragt sich, wie lange die Lehre von den Omega-3-Fettsäuren der Weisheit letzter Schluss ist und wann neue Erkenntnisse wieder alles umkrempeln.

Einzig das Rapsöl hat ein halbwegs günstiges Verhältnis zwischen den Fettsäuren-Arten, sodass man es in Hinblick auf die Omega-3-Fettsäuren als gesund bezeichnen kann. Dabei war Rapsöl lange Zeit immer das billigste Pflanzenöl, bei dem die Hersteller vor lauter Scham nicht einmal den Namen Rapsöl auf die Flaschen geschrieben haben. Erst in letzter Zeit ist Rapsöl salonfähig geworden.

Doch geht es noch weiter mit dem Fett-Verwirrspiel.

Das Margarine-Gesundheitsmärchen

Weil die Butter wegen ihres Cholesterin-Gehaltes als so ungesund galt, wurde sie durch Margarine ersetzt, die Pflanzenöle in gehärteter Form enthält.

Zunächst war Margarine nur interessant, weil sie billiger ist als Butter, aber dann wurde ihr vermeintlicher Gesundheitswert entdeckt. Mit ihren ungesättigten Fettsäuren galt sie fortan als sehr gesund. Die Werbung wurde auch nicht müde, ihre gesunde Wirkung zu propagieren.

So aßen viele Menschen ihrer Gesundheit zuliebe Margarine statt Butter, obwohl sie Butter lieber mochten.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die gehärteten Fette in vielen  Margarine-Sorten, die sogenannten Transfette, ganz besonders ungesund sind. Sie fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen, genau das, was durch den Margarine-Genuss verhindert werden sollte.

Auf der anderen Seite hat sich herausgestellt, dass die angeblich ungesunde Butter relativ viel Omega-3-Fettsäuren enthält und dadurch jetzt zu den gesunden Nahrungsmitteln gehört.

Die Cholesterin-Hysterie

Die Angst vor Cholesterin gehört zu den hartnäckigsten Gesundheits-Legenden der letzten Jahrzehnte.

Cholesterin ist eine Fettart, die im Körper lebenswichtig für den Aufbau der Zellmembranen ist. Jede Zelle des Körpers braucht also Cholesterin, insbesondere das Gehirn. Außerdem wird Cholesterin benötigt, um den Gallensaft und mehrere Hormone zu produzieren.

Die Leber, die Darmschleimhaut und das Gehirn produzieren das benötigte Cholesterin.

Weil es überall so wichtig ist, befindet sich auch Cholesterin im Blut.

Vor einigen Jahrzehnten hat man jedoch beobachtet, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern bis 45 Jahren häufig gleichzeitig mit einem erhöhten Cholesterin-Spiegel im Blut auftraten. Daraus hat man hergeleitet, dass der erhöhte Cholesterin-Spiegel die Ursache der Erkrankungen sein müsse. Ob beide nicht eher eine gemeinsame Ursache haben, wurde nicht weiter untersucht.

Stattdessen wurde behauptet, dass Cholesterin Herzinfarkt und Schlaganfall verursacht. Außerdem wurde behauptet, dass Cholesterin in der Nahrung den Cholesterinspiegel im Blut erhöhen würde.

Fortan waren cholesterinreiche Nahrungsmittel wie Eier, Butter und viele Fleisch- und Wurstsorten verpönt. Das hat vor allem viele Männer betrübt, deren Frauen der Gesundheit zuliebe die beliebten Speisen verbieten.

Der einzige Lichtblick in der Cholesterin-Hysterie war die Unterscheidung zwischen dem bösen (LDL) und dem guten (HDL) Cholesterin. Das hat der allgemeinen Panik vor Cholesterin jedoch keinen Abbruch getan.

Inzwischen weiß man schon lange, dass es nicht das Cholesterin in der Nahrung ist, das den Cholesterin-Spiegel im Blut nach oben treibt. Wenn man zu viel Cholesterin isst, dann wird dies normalerweise einfach umgebaut.

Nur eine zu hohe körpereigene Cholesterin-Produktion bewirkt einen hohen Cholesterinspiegel im Blut.

Außerdem steht immer mehr in Frage, ob der hohe Cholesterinspiegel tatsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht.

Die ganze Angst vor Cholesterin in Eiern, Käse und Fleisch war also völlig umsonst.

Fazit: Sind Fette böse oder nicht?

Ebenso wie die Kohlenhydrate sind Nahrungsfette nicht böse.

In gewissen Mengen sind Fette sogar unentbehrlich und fördern die Gesundheit.

Aber wenn man zu viel Fette isst, dann kann man von ihnen dick werden.

Bei den einzelnen Fettarten sollte man möglicherweise weniger auf moderne Gesundheits-Thesen hören als auf das eigene Gefühl.



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