Gesunde Ernährung als Religionsersatz



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Die Geißelung des Übergewichtes als sündhaft hört man heutzutage aber mitnichten hauptsächlich von der Kanzel bei der Sonntagpredigt. Ernährungsexperten, Ärzte und schlanke Mitmenschen haben längst die Aufgabe des strengen Predigers übernommen.

Selbst in Umgebungen, die vom Atheismus geprägt sind, herrscht das Sünden-Konzept in Hinblick auf Ernährung und Übergewicht.

Ernährungs- und Übergewichts-Moral ist vielerorts zum Religionsersatz geworden. Askese wird von der Ursprungsreligion getrennt zum eigenständigen Wert und paart sich mit dem Schlankheits-Kult.

Damit das Bild von der sündhaften Entstehung des Übergewichtes auch weiterhin passt, bestehen nicht nur Gesundheitsexperten trotz gegenteiliger Forschungsergebnisse darauf, dass Übergewicht ausschließlich durch zu viel und zu ungesundes Essen und zu wenig Bewegung verursacht wird. Der größte Teil der Bevölkerung hat sich davon überzeugen lassen und glaubt, dass man die Entstehung von Übergewicht vollständig durch Ernährung und Bewegung steuern kann.

Wer heutzutage zu den moralisch einwandfreien Menschen gehören will, kauft bevorzugt Bioware und isst täglich seine fünf Portionen Obst und Gemüse. Weißbrot ist streng verboten, stattdessen gibt es alle Getreideprodukte nur in der Vollkornversion.

Selbstverständlich werden nach Kräften auch die Kinder zu moralisch korrekten Essern erzogen. Ob die ständigen Gemüsemahlzeiten den Kindern gut schmecken und gut bekommen, ist dabei sekundär. Hauptsache das Gewissen ist beruhigt.

Viele Menschen mit Übergewicht oder einer Vorliebe für Süßes, Fettiges oder Salziges leben daher ständig mit einem schlechten Gewissen. Sie fühlen sich immerfort schuldig und trauen sich kaum noch zu essen oder zu genießen. Sie stehen dadurch unter enormem Stress.

Die Folge davon ist, dass sie immer dicker werden, denn Stress macht dick, vor allem Menschen, die zu Übergewicht neigen.




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